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(Kreativer) Protest nicht erwünscht

Mai 8, 2011

Wir schreiben den 10. Dezember 2010. In Freiburg herrschte Ausnahmezustand. Tausende Polizisten patrouillierten durch die Innenstadt: Ginter, Sperren und Kontrollen wo das Auge hinblickte. Aber nicht nur der Verkehr und die Bewegungsfreiheit der Menschen wurde eingeschränkt, auch Bürgerrechte wurden an diesem Tag außer Kraft gesetzt. Und das alles damit Merkel, Sarkozy und Co. in Freiburg weiter an ihrer unsozialen Politk basteln konnten. Deutsch-französisches Gipfeltreffen nennt sich so was.

Eine paar Protestkundgebungen, zu denen sich Gegengipfler aus Frankreich und Deutschland zusammenfanden, wurden dann doch an verschiedenen abgelegenen Plätzen erlaubt. Abgeschottet damit a) diese für die Menschen schwer erreichbar waren und b) damit die Herren und Damen aus der Politik von diesen Gegenstimmen nix mitkriegten. Während morgens auf dem Münsterplatz der Staatsempfang stattfand, mit Militärparade und anschließendem Besuch beim Erzbischof Robert Zöllitsch, fanden sich an verschiedenen Orten in der Stadt Gegendemonstranten ein, um ihren Unmut kund zu tun. Die linksalternative Szene hatte zum « Carnival de Résistance » aufgerufen um gemeinsam auf eine kreative, bunte und freie Art und Weise in den Straßen zu demonstrieren. Eine laute Gruppierung, die freiburger Sambasta-Truppe, war auch am Start. Sie sind Teil des weltweiten Rhythms Of Resistance-Netzwerkes und sorgen seit Jahren für gute Stimmung auf den verschiedensten politischen Aktionen. Und dies auf friedvolle und musikalische Weise. An diesem Tag aber bekamen sie die Intoleranz der Ordnungshüter zu spüren und wurden Opfer einer willkürlichen Polizeiaktion. Sie wurden eingekesselt und einzelne gewaltsam in Polizeigewahrsam genommen. Ihre Instrumente wurden beschlagnahmt. Der Grund:  Zu laute Musik, „Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ und „Körperverletzung durch Musik“. Lächerlich aber wahr.

Mittlerweile sind fast 6 Monate vergangen und die Instrumente befinden sich nach wie vor in polizeilicher Hand. Gegen eine Gebühr von 650 Euro sind die Instrumente wieder zu haben. Eine solche Herausgabe ginge für die Sambasta-Truppe aber mit einem Bußgeldverfahren, einer Gebühr wegen der Lagerung der Instrumente und der Kosten des Polizeieinsatzes einher!

Ich finde das sehr bedenklich was sich in Freiburg ereignet hat. Eine solch willkürliche und repressive Vorgehensweise gegen die Rhythms Of Resistance-Bewegung gab es bislang jedenfalls noch nicht. Die Sambasta-Truppe hat die Befürchtung, dass die Polizei einen Präzedenzfall schaffen will um so die alternative Szene einzuschüchtern. Der Ton und der Umgang wird rauer. Dies zeigen nicht zuletzt auch die verschieden Versuche die so genannten « Clowns Armies » zu verbieten. (Kreativer) Protest scheint nicht erwünscht und die Polizei gibt sich alle Mühe alternative Formen der Gesellschaftskritik bereits im Keim zu ersticken. Dies wird umso deutlicher wenn mensch an das Gerede von den « bösen bösen Autonomen » denkt, was jede Demonstration begleitet. Dass dies nur eine Farce ist, ein Versuch ganze Bewegungen zu kriminalisieren, wird nun umso deutlicher wenn mensch sich den polizeilichen Umgang mit dem kreativen und bunten Protest anschaut.

Wer mehr erfahren will, kann sich den Kurzfilm anschauen, den die Sambasta-Truppe gedreht hat um auf den Umgang mit ihnen aufmerksam zu machen. Absolut empfehlenswert! http://vimeo.com/22898696

Weitere Infos: http://www.sambasta.de/

(ps)

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